BLICKWECHSEL

Der Beginn eines neuen Jahres ist für mich auch immer der Beginn der Trash-TV-Saison: Bachelor, Dschungelcamp, Germanys Next Topmodel. Formate, die ich einerseits aus Interesse, andererseits aus Gewohnheit schon seit vielen Jahren schaue. Und auch dieses Jahr bin ich wieder dabei.

Doch seit einiger Zeit schon schaue ich diese Sendungen anders. Mit einem bestimmten, unguten Gefühl im Bauch. Das liegt natürlich auch an den allseits bekannten Sexismusvorwürfen an GNTM und „Der Bachelor“, die ich heute aber nur am Rande ansprechen möchte, denn dazu haben schon viele kluge Leute etwas geschrieben und gesagt.

Mir geht es heute um einen anderen Punkt. Und zwar um unseren Blick auf die Kandidatinnen, die in diesen Formaten eine große Rolle spielen. Denn, wenn wir mal ehrlich sind, dann schauen wir diese Sendungen doch, um uns über diejenigen, die daran teilnehmen, zu amüsieren, um zu lästern und uns über sie lustig zu machen. Wir beobachten die Teilnehmerinnen kritisch, bewerten ihr Aussehen, ihr Verhalten und einfach alles, was sie uns im Fernsehen zeigen.

Kurz gesagt: Wir machen sie zu Objekten.

Frauen werden zu Objekten

Und warum machen wir das? Weil wir es so gelernt haben. Aus der Filmtheorie gibt es für diesen Blick auf Film- und Fernsehproduktionen den Begriff „Male Gaze“. Was das jetzt schon wieder mit Männern zu tun hat? Naja, eher hat es etwas mit dem Patriarchat zu tun.

Denn Filme wurden früher eher für den männlichen, heterosexuellen Zuschauer als für die Zuschauerin gedreht. Frauen wurden dabei als „Objekt des Starrens“ angesehen, als der passive Part, während die Männer die Rolle des „Starrenden“, also den aktiven Part, bekommen haben. Daher kommen die klassischen Rollenbilder im Film, in denen der Mann der Held ist und die Frau die Nebenrolle. Und daher kommen auch die typischen, sexualisierten Bilder von Frauen in Filmproduktionen: Sie müssen dem allgemeinen Schönheitsideal entsprechen, sollten meistens knapp bekleidet sein und eher optisch auffallen als mit ihrem Charakter. Dieses Bild von Frauen findet man übrigens nicht nur in Filmen, sondern überall. Vor allem in der Werbung.

Oder eben im Trash TV. Denn auch hier werden Frauen zu Objekten gemacht. Und das nicht nur  von den Zuschauern, sondern auch vom weiblichen Publikum, die diesen männlichen Blick angenommen haben. Das ist der Punkt beim Male Gaze: Nicht nur Männer objektivieren, auch Frauen tun es. Weil es eben schon immer so gemacht wurde. Weil wir mit dem gesellschaftlichen Wissen aufgewachsen sind, dass Frauen diejenigen sind, denen der Blick gilt. Weil das Erscheinungsbild der Frau irgendwie immer im Vordergrund stand.

Und deshalb achten wir in Sendungen wie GNTM oder „Der Bachelor“ auch genau auf diese Dinge: Wer trägt welches Kleid? Warum läuft sie so komisch? Ist sie nicht etwas zu dünn? Ich erwische mich manchmal selbst bei diesen Gedanken.

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns bewusst sind, woher diese Denkweisen kommen. Und dass wir aufhören, Frauen nur nach ihrem Aussehen zu beurteilen, dass wir es nicht akzeptieren, dass Frauen einfach als Objekte klassifiziert und bewertet werden. Dass wir einfach mehr zu den anderen Frauen stehen, anstatt uns über sie zu erheben.


Quellen und weitere Infos

Feminismus101, TAZ, Studiobinder, Wikipedia, Schrödingers Katze, Vitacorio, Freitag, Laura Mulvey: „Visuelle Lust und narratives Kino“

Foto: Thiago Matos von Pexels

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